Module

Die Ausbildung läuft über zwei Jahre und umfasst ins­gesamt bisher acht Wochenendmodule, ab 2019 neun Wochenenden. Aus der Dauer von zwei Vegetationsperioden ergibt sich für die Teilneh­menden die Möglichkeit, in der Ausbildung erworbene Kenntnisse und Fertigkeiten bereits im eigenen Umfeld anzuwenden und die Wirkungen des eigenen Tuns zu erleben und zu überprüfen. Dabei auftauchende Frage­stellungen können vertiefend behandelt werden.

Für die persönliche Ver­tiefung und das Selbststudium gibt es zu jedem Modul ein ausführliches Skript.

Die Fortbildung schließt mit der Übergabe einer Teil­nahmebescheinigung bzw. bei erfolgreicher Teilnahme an einer theoretischen und praktischen Prüfung mit ei­nem Zertifikat.

Modul 1: Allgemeine Grundlagen, Baumpflanzung
Ziel des ersten Moduls
ist die Vermittlung  wichtiger Grundlagen für die Pflanzung und Pflege von Obstbäumen und die Anlage einer Obstwiese. Die Teilnehmenden sollen in die Lage versetzt werden, Obstbäume fachgerecht zu pflanzen, Standorte bezüglich ihrer Eignung für die Anlage einer Obstwiese zu beurteilen und die Anlage einer Obstwiese zu planen. Der Theorieteil umfasst: Kurzer Überblick über die Entwicklung des (hochstämmigen) Obstbaus, Grundlegendes zum Boden, zur Bodenpflege und Pflanzenernährung  sowie zur Biologie und Physiologie von Gehölzen. Das notwendige Grundlagenwissen für die Pflanzung eines Baums und die Anlage ganzer Obstwiesen.
Im praktischen Teil werden unter Anleitung in Kleingruppen Obstbäume gepflanzt. Dabei geht es – am praktischen Beispiel – noch mal um: Qualitätsanforderung an die Pflanzware, die „richtige“ Pflanzung, Wühlmaus- und Stammschutz, Anbindung des Baums, Pflanzschnitt.

Modul 2: Grundlagen der Jungbaumerziehung
Ziel dieses Moduls ist, alle Grundlagen der Jungbaumerziehung für die ersten acht Standjahrezu vermitteln. Dies beinhaltet den Erziehungsschnitt mit allen Wachstumsgesetzen, um eine statisch stabile und langlebige Öschberg-Krone aufzu- bauen. Die hierzu erforderlichen Werkzeuge werden vorgestellt und bewertet. Aber auch alle anderen nötigen Rahmenbedingungen, die zum Wachstum eines Obstbaumes beitragen, werden Thema sein.
Im Theorieteil werden die einzelnen Lebensjahre in der Jungbaumphase eines Obstbaumes und die jeweils nötigen Schnittmaßnahmen erörtert. Als Grundlage dafür werden die Wachstumsgesetze des Baumes, die Wirkung von Schnittzeitpunkt, Schnittführung erläutert. Formierungsarbeiten, Schnittzeitpunkte, Bodenpflege, Werkzeugkunde, etc. runden das Programm ab.
Im Praxisteil geht es explizit darum, dass alle Teilnehmenden eigenständig Jungbäume schneiden. Auf Grundlage einer Baumansprache und im Rahmen einer Kleingruppen wird die Theorie so vertieft und umgesetzt. Als Einstieg wird der Erziehungsschnitt für die einzelnen Altersgruppen demonstriert. Insbesondere in den Praxisteilen, können die Teilnehmenden von dem hohen Betreuungsschlüssel in unseren Modulen profitieren.

Modul 3: Sommer in der Obstwiese

Im dritten Modul ist das Ziel, ein grundlegendes Verständnis für das Themenspektrum zu vermitteln, mit dem die ObstbaumpflegerIn im Frühling und Sommer konfrontiert ist. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Baumgesundheit. Im Theorieteil werden Einblicke in die Schadsymptome und Lebensweisen der wichtigsten Schadorganismen gegeben und Wege aufgezeigt, wie sie vorbeugend reguliert oder auch direkt bekämpft werden können.

Die Teilnehmenden bekommen eine fundierte Einführung in spannendes Grundlagenwissen zur Befruchtungsbiologie und über den Prozess der Blütenknospenentwicklung.
Der Lebensraum „Streuobstwiese“ mit seiner faszinierenden Vielfalt an Arten wird angesprochen und die dafür entscheidenden Faktoren und Maßnahmen aufgezeigt.
Auch wird die Wiese mit ihren aufschlussreichen Zeigerarten thematisiert und deren fachgerechte Pflege erläutert.

Der Schwerpunkt des umfangreichen Praxisteils liegt bei dem Erkennen und der Einordnung von Schadsymptomen.

In Gruppenarbeit werden die wichtigsten Schadsymptome an den Bäume bestimmt bzw. unbekannte Symptome anhand von entsprechender Literatur selbstständig recherchiert. Darüber hinaus erlernen die Teilnehmenden u.a. das Ausschneiden von Krebswunden, das Anbringen von Fanggürteln, die Durchführung einer „Klopfprobe“ und die „Visuelle Kontrolle“. Wir werden dabei von Christoph Hoyer unterstützt, der 30 Jahre als Dezernent für gärtnerischen Pflanzenschutz beim hessischen Pflanzenschutzdienst tätig war.
Wir schauen uns auf den Obstwiesen die Artenzusammensetzung des Grünlandes an und interpretieren diese.
Möglichkeiten zur Förderung der Artenvielfalt werden vor Ort erörtert und vorhandene Maßnahmen auf ihren Erfolg beurteilt.

Modul 4: Pomologie
Ziel im Modul 4
ist, das Grundverständnis für die Sortenkunde, die Pomologie, zu vermitteln. Dies umfasst die Bestimmung von Obstsorten anhand von wiederkehrenden Merkmalen, aber auch die Beurteilung der Sorteneigenschaften wie Baumwachstum, Baumgesundheit, etc. Dadurch erwächst ein Verständnis dafür, welche Obstarten und Sorten für welchen Standort geeignet sind.
Der Theorieteil umfasst: Einführung in die Sortenkunde und die Sortenbestimmung, Vorstellung der Merkmale, anhand derer eine Sorte sicher bestimmt werden kann.
Im Praxisteil werden eigene Bestimmungsübungen durchgeführt. Draußen werden wir sortenkundliche Begehungen der Obstwiesen/Sortensammlung erleben, soweit möglich mit Verkostung der Sorten.

Modul 5: Altbaumschnitt
Ziel im Modul 5 ist,
die Grundlagen der Pflege von Obstbäumen im Ertrags- und Abtragsstadium zu erlernen.
Im Theorieteil  möchten wir den Teilnehmenden, die bereits die Grundlagen der Erziehung und Pflege von Obstbäumen gelernt haben, den Schnitt und die Pflege älterer Bäume, die nicht mehr einem Erziehungsschnitt unterliegen, nahebringen. Hierbei umfasst das Spektrum sowohl die wüchsigeren Obstbäume während ihrer Ertragsphase, als auch ältere, vergreisende Bäume, die sich bereits im Abtragsstadium befinden.
Neben den Grundlagen des Schnittes (Schnitt-Führung und Schnitt-Techniken) und der Baumansprache werden auch die Abschottung und Verheilung der erzeugten Wunden, die möglichen Erkrankungen durch Pilzbefall und die verwendeten Werkzeuge angesprochen. Auch die Zugangstechnik spielt eine wichtige Rolle; die Seilkletter-Technik mit Baumklettergurt und Kurzseil-Sicherungen wird sowohl theoretisch erklärt als auch im Praxisteil demonstriert und geübt.
Der Schwerpunkt dieses Moduls liegt in der praktischen Anwendung der theoretisch besprochenen Grundlagen, so dass wir sehr viel Zeit auf der Wiese und in den Bäumen verbringen. Es gibt ausreichend Gelegenheit, sich sowohl in Bäumen, die einer regelmäßigen Pflege unterliegen, als auch in ungepflegten, vernachlässigten Bäumen zu bewegen und zu schneiden. Die Baumansprache, die auf der Basis der Beschreibung des Baum-Zustandes die Zielsetzung und damit die Pflege-Maßnahmen festlegt, wird in der Praxis eingeübt.

Modul 6: Jungbaumschnitt II
In diesem Modul wird die Theorie und vor allem die Praxis des Jungbaumschnittes nochmal vertieft und erweitert. Besonders die Erziehung von 8-15 jährigen Oeschbergkronen, die Umstellung von Jungbäumen auf das Oeschbergsystem  und der Übergang vom Erziehungsschnitt in die Ertragsphase werden hier behandelt werden.

Modul 7: Veredelung
Ziel des  siebten Moduls
ist, selber in der Lage zu sein Obstbäume durch Veredelung nach zu ziehen.Jahreszeitlich bedingt liegt der Schwerpunkt bei der Kopulation, der Winterhandveredelung.          Andere Veredelungstechniken wie die Okulation und Methoden für die Umveredelung eines bestehenden Baumes, werden ebenso behandelt.
Beim Jungbaumschnitt 2 wird auf die Besonderheiten des Schnittes von Kirschen und Pflaumen, aber auch Pfirsich und Aprikose eingegangen.Im Theorieteil werden die verschiedenen Wurzelunterlagen, die Gewinnung und Lagerung der Edelreiser, sowie sämtliche gängige Veredelungsarten und Methoden vorgestellt.  Bezogen auf den Jungbaumschnitt, werden die Besonderheiten der Wuchsreaktionen beim Steinobst erläutert. Im Praxisteil werden die verschiedenen Veredelungsvarianten geübt, sodass am Ende des Moduls alle Teilnehmenden einen selbstveredelten Baum mit nach Hause nehmen.

Modul 8: Sommerschnitt
Ziel des achten Moduls
ist es, durch eine ausführliche Praxis auf der Wiese selbständig den Zustand der Bäume beurteilen zu können, Ziele für die Pflege festzulegen und vor allem aktiv Maßnahmen zu ergreifen. Es soll vermittelt werden, welche Auswirkungen bestimmte Maßnahmen auf die Bäume haben können. Wir wollen Euch verschiedene Schnittechniken nochmal praktisch vorführen um Euch ein breites Spektrum an Möglichkeiten an die Hand zu geben.

Der Theorieteil umfasst: Der Obstbaum im Jahreszeitenverlauf, Kriterien für die Beurteilung der Vitalität, Einfluß des genauen Schnittzeitpunktes und der Eingriffsstärke, Besonderheiten des Schnitts an Steinobst und Walnuß, weitere Sommermaßnahmen.
Im praktischen Teil üben wir die Baumansprache („den Baum zu lesen“). Wir schneiden unter Anleitung von 4 Teamern in Kleingruppen die verschiedenen Obstarten. Es gibt die Möglichkeit einer individuellen Unterstützung für den Zugang in die Bäume mit Leitern und Seilklettertechnik.

Modul 9: Abrundung, rechtliche Aspekte
Ziel dieses letzten Moduls
ist zum einen eine „Abrundung“ der ganzen Ausbildung indem wir uns noch einmal praktisch und weitgehend selbständig mit dem Jungbaumschnitt beschäftigen. Zum anderen geht es um verschiedene rechtliche und formale Aspekte im Zusammenhang mit der Obstbaumpflege und einer Tätigkeit als (selbständige/r) Obstbaumpfleger/in. Das Modul vermittelt damit den Teilnehmenden eine Klarheit, welche rechtlichen Bestimmungen sie bei Baumpflegearbeiten zu beachten haben. Durch nochmaliges selbständiges Üben des Jungbaumschnitts können sie sich eine gewisse Routine und größere Sicherheit in dieser Tätigkeit erarbeiten.
Außerdem bietet das Modul Gelegenheit zur Behandlung noch offener Fragen, zu einem Blick in die Zukunft: Wo wollen wir hin, wie bleiben wir in Kontakt, etc. – und es gibt eine kleine Abschlußfeier.
Der Theorieteil umfasst: Bei Bedarf Wiederholung /Vertiefung noch offener spezieller Fragen zur Jungbaumerziehung; im Zusammenhang mit der Baumpflege relevante nachbarrechtliche und artenschutzrechtliche Bestimmungen, Pflanzenschutzrecht. Für eine Tätigkeit als Obstbaumpfleger/in relevante Aspekte wie: Gewerbeordnung, Berufsgenossenschaft, Haftpflicht, Steuerrecht, Honorare, u.a.
Der praktische Teil bietet noch einmal die Gelegenheit zu Wiederholung und Vertiefung des Jungbaumschnitts. In Kleingruppen oder allein schneiden wir Jungbäume und über die Baumansprache.

Modul Prüfung  
Die Ausbildung zum zertifizierten Obstgehölzpfleger endet auf Wunsch mit einer fachspezifischen Prüfung.
Es kommt weniger darauf an, uferlose Mengen von Fakten auswendig zu lernen, vielmehr zielt unsere Ausbildung auf das Verstehen von Zusammenhängen, Wirkungsketten und das Herausarbeiten von Möglichkeiten zielorientierter Arbeit in der Obstbaumpflege ab. Das Vermögen, in diesem Sinne handeln zu können, soll entsprechend auch in der Prüfung im Mittelpunkt stehen. Bei Bestehen der Prüfung werden die Leistungen mit einem Zertifikat bescheinigt.
Ein erster schriftlicher Prüfungsteil beschäftigt sich mit allgemeinen Grundlagen der Obstgehölzphysiologie und dem Habitat Obstwiese. Dazu gehören Fragenkomplexe zum Boden, zu Baumbiologie und Ertragsverhalten, ebenso wie Sortenkunde und Krankheiten im Zusammenhang mit Obstbäumen. Insgesamt müssen 40 Fragen beantwortet werden.
Ein zweiter praktischer Prüfungsteil am Baum dient zur Kontrolle, ob das Gelernte verstanden wurde und am Baum auch richtig angewendet werden kann. Dazu gehört in erster Linie die fachliche Ansprache je eines vorgegebenen Jung- und Altbaumes. Nachfolgend die Abgabe einer Pflegeempfehlung entsprechend der erkannten Defizite und Pflegeziele. Die beispielhafte Ausführung von Pflegeschnitten in Teilen der Jungbaumkrone rundet die praktische Prüfung ab.

anmeldebutton

für Jahrgang 9 (2019 - 2021)